Oft werde ich gefragt: «Was kostet eine Webseite für mein Unternehmen. Es ist eigentlich ganz einfach und ich habe auch schon mit meinem Neffen gesprochen, der geht aufs Gymnasium und kennt sich sehr gut mit Webseiten aus – er meint es sollte nicht teuer werden.»

Meine Antwort: Das kommt darauf an. Kein Webdesigner und keine Webagentur kann ein Angebot für eine Webseite erstellen ohne die vier wichtigsten Parameter zu kennen. Wenn eine Agentur das trotzdem macht, lassen Sie lieber die Finger davon.

Der erste Punkt, über den wir sprechen, ist die Funktionalität der Webseite:

Die einfachste Version einer Webseite ist ein sogenannter ONE Pager, bei dem ich rauf und runter scrollen kann, Informationen angezeigt bekomme, aber mit der Seite nicht interagieren kann.

Das Gegenteil davon wäre eine Webseite wie zum Beispiel amazon.com, diese Seite besitzt viele Stufen der User Interaktion, viele Webseiten, und ein sehr intelligentes Marketing- und Kaufsystem.

Zusätzlich spielt es noch eine Rolle werde Webseite verwaltet, bzw. wie die Webseite verwaltet wird und ob ein CMS, wie zum Beispiel WordPress, Joomla, typo3, dahintersteckt. Wenn Sie ein CMS benötigen, und das ist heute in fast immer der Fall, überlegen Sie sich auch wer das verwaltet, die ganzen Updates macht und für Sicherheit sorgt.

Alle diese Dinge fallen unter diesem Punkt. Je mehr Funktionalität eine Webseite hat, desto höher auch der Preis. Insgesamt macht dieser Punkt etwa 40 % der Gesamtkosten für das Projekt aus.

Der zweite Punkt, die Einzigartigkeit:

Natürlich kann man bei Envato ein WordPress Theme für $ 50 kaufen, dieses mit Inhalt füllen und – fertig ist die neue Webseite. Der Nachteil eines solchen Standarddesigns ist, dass wahrscheinlich sehr viele Webseitenbetreiber das gleiche Theme verwenden und ihre Webseite möglicherweise gleich aussieht wie die Webseite ihrer Mitbewerber. Das meistverkaufte Theme bei Envato wurde bereits 475’000 mal verkauft und dies ist nur ein Vertriebsweg. Bei einem gekauften Theme müssen Sie damit rechnen, dass Ihr Webseiten Design noch einige hunderttausend andere Webseiten ziert.

Man könnte hierzu den Vergleich zwischen einem Ikea Schrank und einem Schrank, der speziell für Sie vom Schreiner angefertigt wurde, anstellen. Wenn der Ikea Schrank Ihren Anforderungen entspricht und sie diesen auch selbst aufbauen können, sollten Sie ihn unbedingt kaufen.

Auf die Webseite umgemünzt heisst das: je mehr Designer und Programmierer individuell anpassen oder erstellen müssen, desto einzigartiger wird ihre Webseite und natürlich kostet es auch mehr. Insgesamt macht dieser Punkt etwa 20 % der Projektkosten aus.

Der dritte Punkt, das Design:

Gutes Design, kostet Geld. Das heisst nicht, dass eine günstige Webseite hässlich sein muss, sondern man muss mit einfachen Stilen, Effekten auskommen und auf aufwändige Animationen und ähnliche Gadgets verzichten.

Der vierte und letzte Punkt ist der Inhalt:

Jeder der in der Branche arbeitet, also jeder Webentwickler und Webdesigner weiss, es macht keinen Spass mit Inhalt zu arbeiten. Wenn man beim ersten Gespräch den Kunden fragt wann das Projekt fertig sein soll, lautet die Antwort fast immer: «so schnell wie möglich». Das dann der Designer mehrere Wochen oder sogar Monate auf die Inhalte wartet ist keine Seltenheit.

Aber, warum hat der Inhalt nun Auswirkungen auf den Preis? Weil der Inhalt mit dem Design interagiert, das Design ist davon abhängig welchen Inhalt ich zeigen möchte. Wenn der Designer den Inhalt nicht kennt kann auch die Präsentation nicht entsprechend erstellen oder anpassen. Für komplizierte Inhalte könnte beispielsweise eine interaktive Grafik sinnvoll sein. Erst wenn der Designer die Inhalte kennt, kann er entscheiden ob es sie über Grafiken, Bilder, Videos oder über Texte und intelligenten Content präsentiert.

Ein wesentlicher Punkt für die Preisgestaltung ist auch, wer die Inhalte erstellt. Ist es notwendig einen Texter und einen Fotografen zu beschäftigen oder liefert der Kunde alle notwendigen Texte und Stockbilder sind ausreichend? Wenn die Bilder bei Adobe gekauft werden, reichen einige Fr. 100, wenn ein Fotograf beschäftigt wird, müssen Sie mit mehreren Fr. 1’000 rechnen.

Fazit:

der Preis einer Webseite besteht aus vier Punkten:

  • Funktionalität
  • Einzigartigkeit
  • Design
  • Inhalt

diese vier Punkte bestimmen, wie teuer eine Webseite wird. Im wirklichen Leben ist es meist so, dass im Laufe des Projektes noch Ideen und Änderungen des Kunden kommen und diese in die Webseite mit eingearbeitet werden sollen. Dies ist einfach mehr Arbeit und kostet deshalb auch mehr Geld. Wenn wir beim Beispiel mit dem Schreiner bleiben, dann muss ich auch für meinen Schrank mehr bezahlen, wenn ich eine zusätzliche Türe eingebaut haben möchte. Einfacher ist es bei Ikea, dort kann ich nur ein Standart Möbelstück kaufen und kein Ikea Kunde würde auf die Idee kommen, eine zusätzliche Schranktüre zu verlangen.

(MK)