Werbeblocker (Adblocker) können Fluch oder Segen sein. Aber für wen? Fühlen sich die Internetnutzer wirklich so frei von der lästigen Werbung? Hat die Medienbranche nicht erneut mit ihrer Existenz zu kämpfen? Sind Werbenetzwerke wirklich die richtige Instanz, um zu entscheiden, welche Werbung ausgespielt wird und welche nicht? Und sollten sich Werbetreibende nicht viel mehr Gedanken um gute Werbung machen, statt über Adblockern zu fluchen? Konsumenten, Medienbranche, Werbenetzwerke und Werbetreibende dürfen kritisch sein, vor allem über sich selbst, und trotzdem zum Schluss kommen, dass alle voneinander abhängig sind.

Wie funktionieren Werbeblocker?

Als Werbeblocker (Neudeutsch: Adblocker) wird ein im Hintergrund ablaufendes Programm bezeichnet, welches dafür sorgt, dass auf Webseiten enthaltene Werbung dem Betrachter nicht dargestellt wird. Solche Werbung kann in verschiedenen Arten vorkommen, beispielsweise als Bilder, Videos, Textanzeigen und Pop-ups.

In Browsern wie Firefox lassen sich die Werbefilter über die Add-ons-Funktion nachinstallieren, einzeln oder auch in einer Kombination. Die Verwendung mehrerer Werbefilter-Programme die sich in ihrer Funktion teils überschneiden, kann jedoch auch die Reaktionszeiten des Browsers verlangsamen. Für die Filterung von Pop-ups wird meist noch ein weiteres Add-on benötigt.

Viele Werbeblocker lassen feinere Einstellungen zu, etwa die Möglichkeit, den Werbeblocker auf bestimmten Seiten zu deaktivieren. Adblock Plus etwa lässt ein Feedback zu – man kann die Entwickler benachrichtigen, falls der Werbeblocker nicht wie gewünscht alle Werbung entfernt.

Quelle: Wikipedia

Google first

Der Browser Chrome hat nun einen standardmässig aktiven Adblocker eingebaut und funktioniert auf Desktop wie auf der mobilen Version von Chrome. Der Fokus liegt auf besonders nervige Werbung. Diese will Google automatisch sperren, zum Beispiel automatisch abspielende Videos oder Popups.

Was soll man von dieser Strategie halten? Ausgerechnet der Internet-Gigant, der mit Werbung Gewinne in Millionenhöhe einnimmt, setzt einen automatischen Werbeblocker ein? Wahrscheinlich möchte Google verhindern, dass noch mehr Adblocker installiert werden, die viel restriktiver funktionieren und somit womöglich die komplette Online-Werbung ausgeblendet wird. In diesem Fall wären auch die Display-Anzeigen und die Remarketing-Anzeigen von Google betroffen und das möchte man bestimmt verhindern.

Die Strategie könnte aufgehen. Wenn man Kritikern glaubt, dann würde Google theoretisch bei 50 Prozent der Werbung entscheiden können, ob sie ausgespielt wird oder nicht. Denn Chrome hat einen Marktanteil von über 50 Prozent und ist ein entscheidender Bestandteil, um den Online-Werbemarkt zu diktieren.

Der Konzern weist diese Kritik gekonnt ab und verweist auf die “Better ad standards”. Diese Regeln wurden von einer Branchenvereinigung aufgestellt, zu der auch Microsoft, die Washington Post oder auch der Axel-Springer-Verlag gehört. Diese Vereinigung unter dem Motto “Coalition for better ads” möchte vor allem nervige Werbeformate ausblenden.

Google möchte mit dem automatischen Werbeblocker Online-Anzeigen verbessern, indem sich Werbetreibende mehr Gedanken über gute Online-Formate machen. Man könnte aber auch sagen: Wenn sich Ad-Blocker sowieso nicht abschaffen lassen, will Google selbst die Kontrolle darüber haben, was geblockt wird und was nicht.

Der Werbeblocker selbst wird in der Adressleiste von Chrome auf dem Desktop angezeigt. Auf dem Handy zeigt eine kleine Eingabeaufforderung an, dass Werbung auf dieser Website blockiert ist. Sowohl auf dem Desktop als auch auf Mobile haben Konsumenten die Möglichkeit, Anzeigen auf einer Website zuzulassen, die automatisch blockiert werden, indem sie explizit auf „zulassen“ klicken.

Werbeformate Desktop

 

 

 

Werbeformate Mobile


Quelle: Standards for better ads

Wer gewinnt und wer sind die Verlierer?

Die Medienbranche:
Und wieder kommt die Medienbranche unter Druck. Die meisten Medienangebote im Internet finanzieren sich vor allem durch Werbung. Diese sinken offensichtlich durch die Verbreitung von Adblockern. Die Verlagsbranche hat ein Interesse daran, dass ihre Leser die Erweiterung für einzelne Seiten deaktivieren oder die Erweiterungen gar nicht erst nutzen, was mit dem automatischen Werbeblocker im Chrome entschieden schwieriger wird. Erneut gehen Medienhäuser auf die Suche nach alternativen Finanzierungs- und Erlösmodellen, welche die Einnahmen durch „Werbebannern“ ablösen oder zumindest unterstützen können.

Die Werbenetzwerke:
Unternehmen wie Google, Apple und Facebook müssen sich immer wieder rechtfertigen und ihre Werbenetzwerke verteidigen. Die Frage bleibt, ob es richtig ist, dass eben diese Werbeplattformen diktieren, wer, was, wo zu sehen bekommt? Wenn ja, sollten sie nicht viel mehr Zeit, Geld und Brain in „So sollte man Werbung machen“ investieren, statt in Werbeblockern? Oder von Anfang Werbung nicht zulassen oder nicht ausspielen, wenn sie den gewünschten Standards nicht entspricht? (Facebook macht es mit der – zugegeben, manchmal sehr nervigen – 20%-Text-Regelung vor und auch AdWords-Kampagnen werden mit zu viel Text nicht freigegeben). Bei Display-Werbung, darunter fallen die ganzen Pop-up- oder Video-Anzeigen, scheinen die Restriktionen weniger zu greifen.

Die Werbetreibenden:
Was ist mit den Auftraggebern los? Machen KMU’s bis Grossfirmen wirklich so nervige Werbung, dass (automatische) Werbeblocker unumgänglich sind? Haben sie noch nie von den „Better ads standards“ gehört? Hat ihnen noch keine Werbeagentur gesagt, dass Pop-up’s oder Auto-Videos-mit-Ton mitten im Bildschirm einfach nur nerven? Oder zeigen die Kennzahlen von solchen Werbekampagnen am Schluss eben doch ein anderes Bild?

Die Internetnutzer:
Was ist mit den Konsumenten? Fühlen sie sich wirklich nur gesegnet endlich (automatische) Adblocker installiert zu haben? Ich weiss, Onlinewerbung kann stören, nachweislich Websites langsamer machen oder unerwünschten Datenaustausch (Tracking) mit sich bringen. Verständlich, dass manche Konsumenten dies verhindern möchten. Und trotzdem bleibt die Frage offen, wenn (Online)-Werbung nur störend ist, wieso werden in dieses Format immer noch Millionen investiert? Wenn es aber tatsächlich gute und weniger gute Werbeformate gibt, sollte dann nicht der Konsument entscheiden können, was er sehen möchte und was nicht. Statt einem Werbeblocker könnte man die Art und Weise der Werbung bewerten, zum Beispiel mit Real-Time Customer Feedback oder gar Ideen liefern und das Resultat direkt den Werbetreibenden zukommen lassen, die hoffentlich diese wertvollen Rückmeldungen sofort in die nächste Werbekampagne einfliessen lassen.

Ich bleibe dabei. Konsumenten, Medienbranche, Werbenetzwerke und Werbetreibende dürfen kritisch sein, vor allem über sich selbst, und dem Gedankengut von „Geben und Nehmen“ wieder mit „Herz und Seele“ folgen…

Wenn Sie Anregungen oder Beispiele für gute Online-Werbung haben, würde ich beides sehr gerne in diesem Blogbeitrag ergänzen.